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Raabjerg Mile

Wanderung im Råbjerg Mile

Auf Wanderung in der einzigen dänischen Wüste.


Karte
Copyrigth Kort- og matrikelstyrelsen 

Pflanzenleben
Die Düne selbst ist ohne Vegetation, die Abblasungsfläche vor der Düne aber hat mit ihren vielen zeitweiligen kleinen Seen und feuchten Niederungen ganz viele außergewöhnliche oder seltene Pflanzen, die den speziellen Verhältnissen angepasst sind.

Unter Botanikern ist die Abblasungsfläche besonders für ihre zehn Arten der Simsengewächse (Juncus) bekannt, u.a. Zwerg-Simse (J.pygmeus) und Kopf-Simse (J. capittus). Die kleinste dänische Pflanze, das sehr seltene Kreuz-Gauchheil (Crassula aquática), findet man am Rande der Dünen-Seen. Man muss aber aufmerksam suchen, um die nur 1-4 cm langen Schösslinge zu finden.

Lobelie

Lobelie (Lobelia dortmánna)


Für den Botaniker lohnt sich auch ein Besuch bei den Seen an der Südseite der Düne. Die Seen gehören zu den klarwässerigen nahrungsarmen Seen, die in Dänemark sehr selten sind. Man sagt auch "Lobelie-Seen", dank der Pflanze Lobelie (Lobelia dortmana). Die und Einblütiger Strandling (Litorella uniflora) bilden kleine Rosetten und können den Boden des Sees wie ein Rasen zudecken.

Die grauen Dünen und die Dünen-Heiden (hier mehrere tausend Hektar Land) sind in Europa seltene und gedrohte Naturgebiete. Im Jahre 2003 hat man im Gebiet ein gross angelegtes Naturschutzprogramm, von EU LIFE finanziert, angefangen. Unerwünschte Gewächse, wie besonders Bergkiefern (Pinus mugo), werden von 510 ha weggeschnitten. Beim Parkplatz nördlich der Düne gibt es eine Infotafel darüber.  

Råbjerg Mile

Die Grenze zwischen dem feuchten Sand der Abblasungsfläche und dem trockenen Sand der Düne.


Tierleben

Im Frühling hört man über Råbjerg Mile das Quaken von Tausender von Strandkröten (Bufo calamita), die man zahlreich in den vielen kleinen Seen findet. Auch Kreuzotter (Vipera berus) gibt es viele im Dünengebiet. Diese schöne Schlange verschwindet aber bei der schwächsten Erschütterung, darum braucht es Vorsicht um die zu sehen. Erfolgschance hat man am besten an einem sonnigen Frühlingstag, wenn sich die Kreuzotter an den südlichen Hängen sonnenbaden.

Die Landspitze von Skagen, Skagens Odde, ist für ihren Vogelzug bekannt, besonders im Frühling. Den Zug kann man auch von Råbjerg Mile erleben, und das riesige Dünengelände westlich von der Mile ist oft Raststätte für ziehende Adler und Eulen. Sogar Rastende Kraniche erlebt man auch bei den Seen. Zu den seltenen Heckvögeln gehören der Brachpieper (Anthus campestris),  großer Brachvogel (Numenius phaeopus) und als neu der Kranich (grus grus).

Skagen kommune
16 km von Skagen entfernt
Staatseigenes Schutzgebiet von 1620 ha.
Öffentlicher Zutritt

Landschaft und Geologie
Råbjerg Mile ist eine der grössten Wanderdünen in Europa. Der imposante 35-40 m Sandhaufen enthält etwa 3,5 Millionen cbm Sand, der eine "Miniwüste" von fast 1 qkm bildet. Die Düne bewegt sich durchschnittlich pro Jahr 15 Meter (0-30 Meter) Richtung Nordost mit dem vorherrschenden Wind.

Überall an der jütländischen Küste entlang wird das Sandtreiben auf verschiedene Weise abgebremst, u.a. durch Aufforstung. Hier in Råbjerg Mile aber hersscht die Natur. Durch Naturschutz ist die freie Wanderung der Düne gesichert worden, trotzdem sie wohl in hundert Jahren die Hauptstrasse nach Skagen begraben wird. Man weiss tatsächlich noch nicht, wie man dieses Problem lösen kann.

Von oben gesehen ist die Düne halbmondförmig, mit zwei "Hörnern" gegen den vorherrschenden Wind gedreht (siehe die Karte). Diese Dünenform nennt man "Parabel-Düne". Der Sand rollt, springt oder fliegt mit dem Wind über die Düne und lagert sich an der steilen windgeschützten Seite. Keine Pflanzen wachsen in dieser unruhigen Umwelt. An den Flanken der Düne aber bremsen die Pflanzen das Sandtreiben ab. Die Wanderung der Flanken wird dabei verhindert, und sie bleiben als Beine der Parabel-Düne nach, während der zentrale Teil mit seiner ewigen Wanderung weitergeht.

In der Windseite wird der Sand fast bis zum Grundwasserspiegel entfernt, wo die Feuchtigkeit die Sandkörner zusammenkittet. Die Spur der Düne wird dabei eine flache Ebene – eine Abblasungsfläche – von zahlreichen kleinen Seen und Mooren geprägt. Die Abblasungsfläche liegt zwischen den Beinen der Parabel-Düne.

Die Dünen-Seen, die außerhalb des südlichen Beins liegen, sind Gegensätze zu den fast vegetationsfreien kleinen Seen auf der Abblasungsfläche. Die Landschaft hier ist eine ehemalige Abblasungsfläche, die unter anderen Umständen trocken und verkrautet wäre. Der Grundwasserspiegel liegt aber hier höher, dank dem riesigen Sandhaufen, und deswegen findet man zwei Dauer-Seen mit einem reichen Pflanzen- und Tierleben.

Von dem höchsten Punkt der Düne aus ist eine einmalige Aussicht über der Landschaft Skagens Gren. Mehr als 6000 Hektar Dünen und Dünen-Heiden sind hier geschützt. Ein sehr eigenartiges Naturgebiet in Dänemark. Seit 2003 wird südlich und westlich der Düne das Heidegebiet abgeholzt, von der Gemeinde Nordjyllands Amt mit Unterstützung von EU gemacht.

Kulturgeschichte

Råbjerg Mile ist einer der wenigen Orte, wo man noch die Naturkräfte erleben kann. Dabei sieht man, wie die Bevölkerung an der jütländischen Westküste entlang früher ein schwieriges Leben hatte. Das Sandtreiben wurde erst in den fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderten sehr stark. Die Periode wird von Geologen "Die kleine Eiszeit" genannt, weil Gletscher sich überall auf der Erde eine Zeitlang stark hervorschoben. Die grossen eisgebundenen Wassermengen verursachten, dass der Wasserstand im Meer vielleicht zehn cm niedriger als heute war. Dabei wurden die Strände breiter, und der Wind konnte richtig den Sand fassen. Dazu kam noch die jahrhundertlange Belastung von Weiden, Heidekraut-Ernten und Torfstechen.

In 3-400 Jahren wurden die Gemeinden an der Küste entlang langsam verödet. Felder und Bauernhöfe wurden in den Sand begraben und verlassen. Die einsamliegende Kirche, Råbjerg Kirke, (nur wenige Kilometer südlich von der Düne entfernt), steht wie ein Denkmal einer Gemeinde, deren Bauernhöfe und Häuser in den Sand verschwanden.

Erst am Ende des achtzehnten Jahrhunderts griff der Staat ein und fing mit einer systematischen Sandtreibbekämpfung an, d.h. Halmpflanzen – mit Haargras (Eymus arenaius) und Strandhafer (Ammophila arenia) - und ausgebreitete Aufforstung.



Ausblick auf die feuchte Abblasungsfläche und das Meer.


Information
Die Wald- und Naturverwaltung, Naturstyrelsen, hat über Bunken Klitplantage incl. Råbjerg Mile einen Faltprospekt herausgegeben, und den kann man auch auf dem Internet lesen.

 © Naturturist

  16. november 2015